Über uns

Vorsitzender Klaus Fittschen

Gründung des Verbandes

Geistiger Vater des Familienverbandes ist Pastor Jürgen Fittschen (1863 – 1945). Er war das achte von neun Kindern des Bauern und Mühleneigentümers Lüdge Fittschen (1805 – 1895) in Bokel. Als seine Eltern Hof und Mühle an ihren ältesten Sohn Christoph Fittschen (1845 -1909) abgaben, zahlte dieser seinen Geschwistern, statt der ihnen vermachten 2.000 Taler, freiwillig 2.500 Taler aus. Mit der Abfindung finanzierte Jürgen sein Theologiestudium in Göttingen. Am Ende seiner seelsorgerischen Tätigkeit war er Pastor in Mackensen im Solling. Er hatte frühzeitig erkannt, wie die zunehmende Verstädterung die familiären Bindungen lockerte und die gesellschaftlichen Strukturen veränderte. Anlässlich eines Besuchs auf dem väterlichen Anwesen, das inzwischen sein Neffe Ludwig Fittschen (1893 – 1956 ) bewirtschaftete, regte er deswegen an, einen Familientag in größerem Rahmen abzuhalten.

Dazu dürfte ihn auch Heimweh beflügelt haben. Denn „Jugenderinnerungen an das Vaterhaus und die Heimat” erwecken Heimweh. Manche sagen freilich, so etwas gebe es nicht mehr. Die Erde sei viel kleiner geworden im Lauf der letzten Jahrzehnte: Radio, Eisenbahn, Flugzeug, Auto hätten das Heimweh zu einer abgetanen Sache gemacht. Aber das ist Unsinn. Es können Stunden kommen, wo dem Menschenherzen vor lauter Heimweh das Weinen näher ist, als das Lachen.

Trotz der Schwierigkeiten, ohne eine Anschriftenliste möglichst viele Namensvettern einzuladen, konnte „Onkel Jürgen”, wie der Initiator des Familienverbandes seinerzeit angesprochen wurde, auf dem 1. Familientag am 30. Juni 1929 in Zeven 54 Teilnehmer begrüßen. Nach gemeinsamer Kaffeetafel und einem Spaziergang durch das Zevener Ahe-Gehölz beschlossen die Versammelten regelmäßig zusammenzukommen und einen Verein zur Pflege der verwandtschaftlichen Beziehungen zu gründen. Sie wählten zur Ausarbeitung entsprechender Konzepte und „Satzungen” einen vorläufigen Vorstand, diesem gehörten folgende Namensträger an:

         Ludwig Fittschen, Garlstorf (1893 – 1970) als Vorsitzender

         Friedrich Fittschen, Bremen (1890 – 1970) als Schriftführer

         Ludwig Fittschen, Bockel (1893 – 1956)

         Heinrich Fittschen, Neugraben (1886 – 1966)

         Johann Fittschen, Neukloster (1884 – 1940)

         Johann Fitschen, Ahlerstedt (1872 – 1953)

Die vornehmste Aufgabe des vorläufigen Vorstandes war es, für den neuen Verein einen Namen zu finden, der den Grundgedanken des Pastors Jürgen Fittschen, den Familienzusammenhalt zu sichern und zu fördern, am trefflichsten zum Ausdruck brachte.

„Familienverein Fitschen/Fittschen“

In der Gründungsphase nannte sich der Verband „Familienverein Fitschen/Fittschen” Zum ersten Familientag waren verständlicherweise nur Persönlichkeiten eingeladen worden, die ihren Nachnamen so schrieben wie die Bokeler Fittschen, also mit zwei “t”. Deswegen konnte auch kein Fitschen mit einen “t” in den Vorstand gewählt werden. Jedoch schon auf dem 1. Familientag am 30 Juni 1929 mutmaßten die versammelten Fittschen ihre Verwandtschaft mit Trägern des mit einem “t” geschriebenen Nachnamens.

Dieser Vermutung gaben Nachforschungen Auftrieb, die das Vorstandmitglied Ludwig Fittschen, Bokel, zusammen mit seinen Schwestern Maria und Meta sowie zeitweise mit Hilfe des Vorstandmitglieds Johann Fittschen, Ahlerstedt, in den Bargstedter Kirchenbüchern an stellten. Dort fanden sie den Namen Fitschen in verschiedenen Schreibweisen. Sie konnten Träger dieses Namens zunächst bis 1656 zurückverfolgen und deren weit verewigte Nachkommenschaft ausfindig machen. Zum 2. Familientag am 6 Juni 1930 lud der vorläufige Vorstand des Familienverein des halb auch Fitschen mit “t” ein, darunter den damaligen Eigentümer des (später als solchen erkannten) Stammhofes in Oersdorf, Klaus Fitschen (1899 – 1980). Es dauerte dann auch nicht lange, bis anhand der Kirchenbücher in Bargstedt und Ahlerstedt nachgewiesen werden konnte, dass alle Fittschen, die ihren Nachnamen mit zwei “t” schreiben, – also nicht nur die Bokeler Fittschen – von Claus Fitschen ( 1587 – 1677) abstammen, der ausweislich der Eintragungen des “Closter Schreibers” Segebade Ebbers im Verzeichnis der “Extra Ordinari Innahme, Freikauff und Hoffwinnungsgelder” des Klosters Harsefeld 1633 für „60 Mark” den Hof erwarb, den jetzt in der 13 Generation Klaus Fitschen (* 9.7.1969) in Oersdorf bewirtschaftet.

Das zweite “t”

Erstmals taucht das zweite “t” im Namen Fit(t)schen 1837 auf. 1837 starb König Wilhelm IV., der dem Herzog von Cambridge – seinem Vizekönig in Hannover – und dessen Minister Johann Karl Bertram Stüve 1831/33 die Bauernbefreiung ermöglicht hatte. Damit endete die Personalunion von Großbritannien und Hannover. 1837 bestieg Wilhelms IV. Nichte Viktoria, nach der die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts das Viktorianische Zeitalter genannt wird, den Thron in London. Zugleich wurde deren Onkel – Wilhelms IV.  jüngster Bruder – Ernst August König von Hannover. Er begann seine bis 1851 währende Herrschaft mit der Aufhebung des Staatsgrundgesetzes von 1833 und löste dadurch den berühmten Protest der sieben Göttinger Professoren aus, die er deswegen des Landes verwies. In diesem schicksalsträchtigen Jahre 1837 wurde dem Pastor Ludwig Friedrich Ernst, der von 1818 bis 1859 der Kirche in Ahlerstedt vorstand, als Pastor adjunctus Albert Dietrich Brüning beigegeben. Dieser führte bis 1857 die Kirchenbücher in Ahlerstedt.

Unter dem 10. Februar 1837 hat Pastor adjunctus Brüning in das Register für „Geborene und Getaufte” eingetragen: „Dem Jürgen Fittschen, jun. Häusling zu Ahlerstedt, und seiner Ehefrau Anna Catharine geborenen Hoeft, einen am 6ten (Sechsten) Februar, frühmorgens 1 Uhr, geborenen Sohn, genannt: Jürgen”. Dieser Jürgen Fittschen vom Paradieshof in Ahlerstedt ( 1809 – 1892) erscheint bei seiner Eheschließung am 1. März 1836 noch als Jürgen Fitschen.

Dessen Neffen Lüdge Fittschen in Bokel ( 1822 – 1895 ) erging es nicht anders: Unter den „Getauften des Jahre 1822″ erscheint er im Kirchbuch in Ahlerstedt am 18.April als „Des Christoph Fitschen, eines Hausmanns zu Bockel, und seiner Ehefrau Engel geborenen Tibken am 15ten April, Abends nach 10 Uhr geborener Sohn, genannt: Lüdge”. Seine Hochzeit am 6. November 1844 aber ist im Register der „Copulirten” mit folgenden Worten vermerkt: „Lüdge Fittschen, des Vollhöfners und Mühlenbesitzers, Christoph Fittschen zu Bokel, ehelicher Sohn, und Katharina Maria Martens, des Vollhöfners Christoph Martens zu Hollenbeck, Kirchspiels Bargstedt, eheliche Tochter, sind am Sechsten November im Hochzeitshause copuliert worden, und haben ihr Domicil zu Bokel.”

So verfuhr Pastor adjunctus Brüning mit allen Fitschen im Kirchspiel Ahlerstedt. Sie mussten sich nun mit zwei “t” schreiben. Denn die Kirchenbücher hatten bis zum Inkrafttreten des Personenstandsgesetzes vom 6.2.1875 als Folge von Bismarcks Kulturkampf dieselbe rechtliche Verbindlichkeit wie heute die Eintragungen des Standesbeamten.

Kurz vor seinem Weggang zur Kirchengemeinde Horn hat Pastor Brüning ein alphabetisches „Register zu den Kirchenbüchern Ahlerstedt über die Copulirten und Geborenen von 1762 bis 1852 ” verfasst. Darin hat er auch die Namensträger die in den Kirchenbüchern ausschließlich als Fitschen mit einem ”t” erscheinen, mit zwei “t” geschrieben.

Für die Änderung der Schreibweise gibt es folgende Erklärung, die allerdings durch kein Dokument belegt ist: Bei der Anmeldung der Geburt des am 6. Februar 1837 entbundenen Jürgen soll Pastor adjunctus Brüning, der südlich der plattdeutschen Sprachgrenze aufgewachsen sei soll, den Nachnamen des Neugeborenen so ausgesprochen haben, als seien die zwei Silben zwischen dem “s” und dem “ch” zu trennen. Auf den Einwand, der Name sei so auszusprechen, daß zwischen dem “t” und dem “sch” zu brechen sei, soll er entschieden haben, solche Zäsur sei durch ein zweites “t” zu verdeutlichen.

Ob es sich bei dieser Erklärung nun um eine bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts lebendige mündliche Überlieferung handelt oder um eine später erfundene Geschichte: Die Gründer des Familienverbandes entschieden sich, das zweite “t” in Klammern zu setzen. Damit stand der Name des – bis heute – nicht eingetragenen (also auch nicht rechtsfähigen) Vereins fest: „Familienverband (Fit(t)schen“.

Autor: Dierk Fittschen, Lüneburg

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